Heterobasidion annosum (Stockfäule)
Der Wurzelschwamm ist der wirtschaftlich wichtigste Holzfäule-Pilz in DACH-Fichtenwäldern. Er verursacht Stamm- und Stockfäule, die meist erst beim Einschlag entdeckt wird — und Wertholzpartien zur Brennholzqualität degradiert.
Im stehenden Bestand schwer erkennbar — befallene Bäume wirken oft äußerlich gesund. Fruchtkörper erscheinen selten und meist verborgen am Stockfuß: konsolen- oder rasenförmige, ledrige Pilze mit weißer bis gelblicher Porenfläche. Beim Einschlag wird der Befall sichtbar: Im Stammquerschnitt zeigt sich eine zentrale rotbraune bis violette Verfärbung, die sich nach oben verjüngt. Im Spätstadium hohlräumiges, faseriges Holz. Spechtringe am unteren Stamm können Hinweise geben. Bei Sturm bricht befallener Bestand am Stammfuß.
Hauptwirt in DACH ist die Fichte (Picea abies), ebenso Tanne, Kiefer und Lärche. Der Pilz ist flächendeckend verbreitet. Besonders hohe Befallsdichten in alten Fichten-Reinbeständen mit häufigen Durchforstungseingriffen, in Bayern, Baden-Württemberg, Tirol, Steiermark und Schweizer Mittelland. Schätzungsweise 10 bis 40 Prozent der älteren Fichtenbestände in DACH sind unterschiedlich stark befallen.
Es besteht keine Meldepflicht. Der Pilz ist ubiquitär und nicht reglementiert. Relevante rechtliche Aspekte: Bei Sturmschäden mit Wurzelfäule-Beteiligung können Versicherungsfragen auftreten — manche Forstversicherer prüfen, ob ein zumutbares Pflegekonzept (Stubbenbehandlung) bestand. Verkehrssicherungspflicht bei Bestand mit dokumentierter Wurzelfäule entlang von Wegen verschärft, da Bruchgefahr auch bei vital aussehenden Bäumen möglich ist.
Beste vorbeugende Maßnahme ist die Stubbenbehandlung mit dem Antagonisten Phlebiopsis gigantea direkt nach dem Schnitt im Sommereinschlag. Der Konkurrenzpilz besiedelt die frische Schnittfläche und blockiert Heterobasidion-Sporen. Anwendung: Sprühlösung im Harvester-Schwert oder im Motorsägekanister. Weitere Strategien: Wintereinschlag bei Temperaturen unter 5 Grad bevorzugen (geringerer Sporendruck), keine Bestandsbegründung mit Fichte auf bekannten Befallsflächen, Mischbestand mit Laubholz erhöht Pilzdiversität und reduziert Heterobasidion. Bestandsumbau: Auf belasteten Flächen Übergang zu Buche, Eiche oder Tanne.
Wurzelschwamm verursacht in DACH-Fichtenbeständen Wertverluste von 5 bis 15 Prozent des stehenden Vorrats. Bei einzelnen befallenen Stämmen geht der Stammfuß als Wertholz verloren — Erlös statt 80 bis 120 Euro pro Festmeter (B-Sortiment) oft nur 30 bis 50 Euro pro Festmeter (Industrieholz). Branchenweit werden die jährlichen Verluste durch Heterobasidion in DACH auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt. Konsequente Stubbenbehandlung kostet 1 bis 3 Euro pro Stubben — gegenüber den Folgekosten ein hoch rentabler Schutz.
Ja, bei befallsgefährdeten Beständen klar wirtschaftlich. Kosten 1 bis 3 Euro pro Stubben gegenüber 20 bis 50 Euro Wertverlust pro befallenem Folgebaum. Praktisch alle Forstbetriebe in DACH wenden sie heute beim Sommereinschlag an.
Schwer. Spechtringe am Stammfuß, gelegentliche Fruchtkörper an Wurzelanlauf oder typischer Hohlklang beim Klopfen können Hinweise sein. Sicher ist nur der Stirnschnitt beim Fällen.
Nein. Auf Wurzelschwamm-Flächen sind Buche, Eiche, Tanne oder Douglasie die bessere Wahl. Reine Fichten-Wiederaufforstung verstärkt das Problem.
Nein. Heterobasidion ist ausschließlich ein Forstpathogen ohne Gefährdung für Mensch oder Tier.
Phlebiopsis-Präparate kosten etwa 80 bis 150 Euro pro Hektar (Sommereinschlag). Im Harvester-Einsatz wird automatisch dosiert, manuell mit Sprühflasche aus dem Motorsägekanister.
Bei sehr kalten Wintern unter null Grad weitgehend ja — Sporendruck ist minimal. In milden Wintern (Klimawandel) ist auch Wintereinschlag risikobehaftet, Phlebiopsis-Behandlung dann ebenfalls sinnvoll.
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