Holzsortimente

Stammholz — Bauholz, Sägeholz und Aushaltung nach RVR

Festmeter (Fm), Bauholz und Sägeholz

Stammholz ist das wirtschaftlich wichtigste Sortiment im Privatwald. Wer korrekt nach RVR (Rahmenvereinbarung fuer den Rohholzhandel in Deutschland) aushaelt, hebt deutliche Mehrerloese. Massgeblich sind Stammlaenge, Mittendurchmesser ohne Rinde und Guete.

Definition & Maßeinheit

  • Sortiment: Saege- und Bauholz, Langholz oder Abschnitte (Fixlaengen)
  • Maßeinheit: Festmeter (Fm) ohne Rinde, Mittendurchmesser-Methode
  • Mindest-Zopf: in der Regel 14 cm bei Nadelholz, 20 cm bei Laubholz
  • Laengen: Fixlaengen 4 m, 5 m, 6 m (mit Uebermass) — Langholz ab 10 m
  • Guetegrundlage: RVR 2020 (Deutschland), OeHHU (Oesterreich), Schweizer Handelsgebraeuche

Aushaltungsregeln

Aushaltung beginnt im Bestand: Erdstamm zuerst, weil er das hoechstwertige Stueck ist. Astfreie Laenge, Geradschaftigkeit und Krummschaft entscheiden ueber die Sortierung. Ueblich sind 4 m bis 5 m Abschnitte fuer Fichte und Kiefer mit 10 cm Uebermass; bei Buche und Eiche oft 3 m bis 4 m. Drehwuchs, Rotfaeule und Kernrisse muessen vor dem Schnitt erkannt werden — sonst landet ein Wertholzstamm im Industrieholz. Im Privatwald lohnt sich Aushaltung gemeinsam mit dem Forstunternehmer am liegenden Stamm.

Qualitätsklassen

Die RVR unterscheidet vier Hauptklassen: A (astrein, Furnier- und Wertholz), B (gesundes, normales Saegeholz — Hauptmenge im Privatwald), C (eingeschraenkte Verwendbarkeit, mit Aesten oder Krummschaft) und D (geringer Bauholz-/Palettenholz-Anteil). Stärkeklassen werden in L1a (10 bis 14 cm), L1b (15 bis 19 cm), L2a (20 bis 24 cm), L2b (25 bis 29 cm), L3 (30 bis 39 cm), L4 (40 bis 49 cm), L5 (50 bis 59 cm) und L6 (ab 60 cm) nach Mittendurchmesser sortiert.

Preisrahmen DACH

Stand 2026 (Richtwerte ab Waldstrasse, ohne Mehrwertsteuer): Fichte B L2b: 95 bis 115 EUR/Fm, Fichte B L4: 105 bis 130 EUR/Fm. Kiefer B L3: 75 bis 95 EUR/Fm. Buche B L4: 85 bis 110 EUR/Fm. Eiche B L4: 220 bis 320 EUR/Fm; Spitzenwerte fuer Eiche A L5 deutlich hoeher. In Oesterreich liegen Fichten-Saegerundholzpreise meist auf vergleichbarem Niveau, in der Schweiz tendenziell 10 bis 20 Prozent darunter wegen kleinerer Saegekapazitaeten.

Vermarktung & Käuferkreis

Hauptabnehmer sind Saegewerke (Nadelholz: BSP- und Konstruktionswerke), Furnier- und Schnittholzbetriebe (Laubholz). Kleinmengen lassen sich ueber Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) oder Selbstwerber-Vereinbarungen vermarkten. Direktverkauf ab Polter funktioniert ab etwa 30 bis 50 Festmeter pro Sortiment; darunter zahlt sich die Bündelung ueber FBG meist aus.

Praxis-Tipps

Polter sauber trennen nach Stärkeklasse und Guete — Mischpolter werden grundsaetzlich abgewertet. Vor dem Einschlag Aushaltungsplan mit dem Kaeufer abstimmen (Lieferschein, Werkseingangsmasse, Reklamationsfristen). Polterliste digital fuehren (Stammnummer, Laenge, Mittendurchmesser, Guete) — das spart Streit ueber Werkseingangsmasse. Bei Kaeferholz und Bläue rasch vermarkten, sonst Wertverlust.

Häufige Fragen

Was bedeutet die Stärkeklasse L3 bei Stammholz?

L3 bezeichnet einen Mittendurchmesser ohne Rinde von 30 bis 39 cm. Die Klassifizierung erfolgt nach RVR und ist preisrelevant — pro Stärkeklasse sprung erhoeht sich der Preis bei Nadelholz um etwa 5 bis 15 EUR/Fm.

Wie wird Stammholz gemessen?

Standard ist die Mittendurchmesser-Methode ohne Rinde (Sektionsmessung bei Langholz). In Deutschland gilt die RVR, in Oesterreich die OeHHU. Werkseingangsmessung erfolgt elektronisch — eigene Polterlisten dienen als Kontrolle.

Was unterscheidet Bauholz von Sägeholz?

Bauholz ist meist Nadelholz fuer den konstruktiven Holzbau (KVH, BSH, BSP). Saegeholz ist der Oberbegriff fuer alles Stammholz, das im Saegewerk zu Schnittholz verarbeitet wird, inklusive Verpackungs- und Palettenholz.

Lohnt sich Aushaltung in Fixlaengen oder Langholz?

Fixlaengen (4 oder 5 m) erzielen meist 5 bis 10 EUR/Fm Mehrerloes gegenueber Langholz, weil sie direkt ins Saegewerk gehen koennen. Bei Krummschaft oder Drehwuchs ist Langholz mit Werks-Aushaltung manchmal besser.

Was ist der Unterschied zwischen RVR und HKS?

Die RVR (Rahmenvereinbarung Rohholzhandel) regelt Stammholz und Industrieholz. Die HKS (Holzhackschnitzel-Klassifizierung) gilt nur fuer Hackschnitzel. Beide sind unabhaengig und gelten parallel.

Ab welcher Menge lohnt sich Direktvermarktung?

Ab 30 bis 50 Fm pro Sortiment ist Direktverkauf an ein Saegewerk realistisch. Darunter ist Verkauf ueber FBG oder einen Holzhaendler meist wirtschaftlicher.

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